Nachruf Pierre Theunissen

25.02-2021

 

Am 25. Februar 2021 verstarb in Le Tignet in der Provence der 1931 in Keeken geborene Bildhauer Peter (Pierre) Theunissen. Obwohl er seit dem Ende der fünfziger Jahre in Frankreich, zunächst in Paris und anschließend in Les Veyans in der Nähe von Grasse in der Provence gelebt hat, blieb er seiner Heimat, dem Niederrhein, stets eng verbunden. Immer wieder kehrte er dorthin zurück, verfasste Erzählungen in „Kleefs Platt“ für den Heimatkalender, und stellte dort seine Werke aus: in Wesel, in Kleve, in Kranenburg und auf Schloss Moyland. Sowohl in der Parkanlage der Wasserburg Rindern als auch im Skulpturenpark in Moyland ist er mit einem bedeutenden Werk vertreten.

Theunissen hat das Bildhauerhandwerk von der Pike an gelernt. Zuerst war er Schüler bei dem Kellener Bildhauer und Steinmetz Josef Kopetzky, danach machte er eine Ausbildung im Atelier des seit dem Zweiten Weltkrieg in Kalkar lebenden Bildhauers Alfred Sabisch. Dann folgte ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf. Prägend war aber das Studium bei Hans Hartung an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin. Seine frühen Arbeiten wurden stark von diesem Bildhauer geprägt, der dem deutschen Informel und der Abstraktion verpflichtet war. Nach einiger Zeit in Paris, Ende der 50er Jahre, ließ er sich in Südfrankreich in der Nähe von Grasse nieder, vermutlich auf Anregung des Klever Fotografen Willy Maywald, der dort mit seiner Schwester Helène ein Häuschen besaß. Dort lernte er seine Frau Jeanine Einaudi kennen. Über Maywald machte Theunissen auch Bekanntschaft mit der bei Moyland lebenden Mäzenin Margit Loh, die ihn zeitlebens gefördert hat.

 

In Südfrankreich entdeckte Theunissen die Eigenschaften des weichen Palmenholzes, aus dem er mit der Kettensäge elegante Skulpturen formte, geprägt von sich wiederholenden Kreisen und Wellen. Später wandte er sich der Stahlskulptur zu und formte abstrakte Gebilde, die von Faltungen und Bewegung lebten. So entstanden auch seine Lein- wände, die er erst mit Faltungen strapazierte und deren Spuren er mit schwarzer Kreide hervorhob.

1978 würdigten die Galerie im Zentrum in Wesel und das Städtische Museum Haus Koekkoek in Kleve den Bildhauer mit seiner ersten umfassenden Einzelausstellung, einige Jahre später folgte ein Überblick über seine zeich- nerischen Arbeiten.

 

Eine Enttäuschung bildete für Theunissen die Tatsache, dass seine Arbeiten 1997 im neuen Museum Kurhaus Kleve nicht den von ihm erwünschten Platz erhielten. Später, 2004, sollte Walther Brüx sich mit einer Eingabe an den Klever Stadtrat wenden, in dem er sich dafür stark machte, dass Theunissen den Auftrag für eine repräsentative Skulptur in der Achse des Amphitheaters erhalten sollte, an Stelle des vom Freundeskreis geplanten Neuen Eisernen Mannes von Stephan Balkenhol. 2013 erhielt das Museum als Vermächtnis von Margit Loh mehrere Skulpturen des Künstlers mit der Verpflichtung, diese ständig zu zeigen. Da das Museum diese Auflage nicht erfüllen konnte, wurden die Skulpturen wieder abgezogen.

So lebt sein Werk in unserem Museum vor allem durch die 1975 entstandene, schöne Palmenholzplastik Thermische Regulation weiter.

 

 

Guido de Werd