Freundeskreis
Museum Kurhaus &
Koekkoek-Haus Kleve e.V.


Heinrich Aldegrever, Porträt Wilhelm des Reichen, 1540

Dank der Förderung durch die Karl-und-Maria-Kisters-Stiftung und mit der Hilfe des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte / Freunde der Schwanenburg e.V. konnte der Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. einen seltenen Kupferstich Heinrich Aldegrevers erwerben, der eine zentrale Figur der Klever Geschichte zeigt: Herzog Wilhelm V., genannt „der Reiche“. In der Klever Sammlung, in der die Darstellungen von Angehörigen des Klever Herzoghauses einen wichtigen Schwerpunkt bilden, schließt Aldegrevers Blatt eine immer wieder schmerzhaft empfundene Lücke. Mit seinem hohen Grad an künstlerischer Verfeinerung – der Naturalismus der Darstellung und ihr Reichtum an Details sind stupend – spiegelt er die beachtliche Bedeutung des Klever Hauses am Scheitelpunkt seiner Entwicklung und im Moment seiner stärksten internationalen Verflechtung.

Heinrich Aldegrevers Kupferstich entstand im Jahr 1540 und hat das repräsentative Format 30,4 x 21,9 cm. Er porträtiert Wilhelm V., Herzog von Jülich-Kleve-Berg (1516-1592), als jungen Mann von 24 Jahren, der erst im Jahr zuvor, 1539, nach dem Tod seines Vaters Johannes III. die Regierungsgeschäfte übernommen hat. Der Herzog wird nach der im 16. Jahrhundert gängigen Konvention als Halbfigur mit dem Kopf im verlorenen Profil gezeigt. Er füllt das gesamte Bildfeld aus und gewinnt so eine geradezu physisch zu empfindende Präsenz. Wilhelm ist prächtig gekleidet in einen Brokatmantel mit Pelzkragen, seine behandschuhten und beringten Hände ruhen auf einer Brüstung. Rechts neben seinem Kopf prangt eine Kartusche mit den Wappen von Jülich, Geldern, Kleve, Berg, Mark, Zutphen und Ravensberg. Über dem Bildnis steht eine zweiteilige Schriftleiste, die den Dargestellten identifiziert, auf dem Sockel darunter ein in lateinischer Sprache abgefasstes Preisgedicht, verfasst von dem Humanisten Helius Eobanus Hessus.

Das Porträt war ursprünglich gedacht als Brautwerbebild bei König Franz I. von Frankreich, um dessen Nichte Jeanne d’Albret der Klever Herzog anhielt. Aldegrevers Kupferstich ist nur in sehr wenigen Exemplaren erhalten und schon deshalb eine besondere Kostbarkeit. Insgesamt sind drei Zustände des Blattes bekannt. Bei dem jetzt für Kleve gesicherten Exemplar handelt es sich um den ersten Zustand.

Heinrich Aldegrever wurde 1502 in Paderborn geboren und ist wohl in Soest zum Maler ausgebildet worden. Hohen Rang gewann er als Graphiker, wobei er sich, neben niederländischen Einflüssen, insbesondere an Albrecht Dürer orientierte, der am Beginn des 16. Jahrhunderts eine wichtige Leitfigur war. In den 1530er Jahren ließ Aldegrever sich in Soest nieder, wo er nach 1555 starb. Von seiner Hand sind insgesamt rund 300 graphische Arbeiten überliefert.

Der Text der Schrifttafel unterhalb des Bildnisses, verfasst von dem Humanisten Helius Eobanus Hessus (1488-1540), lautet in der Übersetzung:

Als er 24 Lebensjahre zählte, sah Herzog Wilhelm von Jülich so aus. Du siehst hier nur einen blutleeren Schatten seines lebendigen Bildes, seinen Charakter und seine Lebensführung gibt kein Gemälde wieder. So viele Gebiete hat der noch junge Mann sich durch seine Tüchtigkeit gewonnen, wie keiner im Umkreis des deutschen Landes. Keinem steht er nach an Gerechtigkeit, keinem an Frömmigkeit, er hat gezeigt, dass er dem Ruhm der Alten gleichkommt. Den untadeligen Ruhm seines Lebenswandels ziert Weisheit, vorzüglich ungeheuchelte Treue zu Christus. Wenn also das neue Bild lebensnah hätte werden können, so würde darauf mindestens eine schöne Gestalt zu sehen sein.

Der Kupferstich ist – nach dem Vorbild Dürers – monogrammiert „AG“. Unter dem Preisgedicht von Helius Eobanus Hessus:

Heinrich Aldegrever aus Soest hat es gemacht / im Jahr 1540“.

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Heinrich Aldegrever, Porträt Wilhelm des Reichen, 1540
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