Freundeskreis
Museum Kurhaus &
Koekkoek-Haus Kleve e.V.


Stellungnahme des Freundeskreises und des Klevischen Vereins zum Bebauungsplan Nr.1-084-5

Seit einigen Jahren verfolgen der Klevische Verein für Kultur und Geschichte e.V. und der Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. mit großer Sorge die Absicht der Stadt Kleve, das sich in ihrem Besitz befindliche Grundstück entlang der Koekkoekstege an einen Investor zwecks Bebauung zu veräußern. Eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dieses Grundstücks der Stadt Kleve zu veräußern, ist nicht vorhanden. Das gibt dem Rat der Stadt Kleve die Möglichkeit, die Freiheit und die Pflicht, sich über den jetzt offen gelegten Bebauungsplan kritische Gedanken zu machen und einen Beschluss zu fassen, der die wichtigen historischen Qualitäten der Koekkoekstege optimal berücksichtigt und respektiert und den allgemeinen Interessen der Stadt Rechnung trägt.

Bei der Bebauung handelt es sich um zwei Grundstücke: Zum einen die am jetzigen Koekkoek-Platz gelegene fast quadratische Parzelle, auf der bis Anfang der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts ein kleines Haus stand, das sich im städtischen Besitz befand; sowie zum anderen ein Garten, der bis zum Hans-Lamers-Platz reicht. Das Haus, das aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts stammt, grenzte die Einmündung der Koekkoekstege in die Kavarinerstraße (heute Koekkoek-Platz) ein und unterstrich durch seine zweigeschossige Bauweise auch die imposante Architektur des B.C. Koekkoek-Hauses, sowie dies auch das Haus an der Kavarinerstraße 31 stadteinwärts heute noch tut.

Anfang der achtziger Jahre wurde dieses Haus von der Stadt Kleve abgerissen. Der benachbarte Wirt erhielt von der Stadt Kleve die Genehmigung dort einen Biergarten einzurichten, die bis zur Aufgabe der Gaststätte vor etwa zehn Jahren  bestanden hat. Inzwischen wurde die Gaststätte zum Kurfürsten, das zweite Grundstück, verkauft. Das Gebäude steht derzeit leer.

Aus dem jetzt offen gelegten Bebauungsplan 1-084-5 Kavarinerstr. / Hanns-Lamers-Platz lässt sich – durch die vielleicht bewusst offenen Formulierungen – nicht genau ausmachen, wie eine Bebauung aussehen soll. Deswegen formulieren der Freundeskreis der Klever Museen und der Klevische Verein, die beiden wichtigsten Sprachrohre der Kultur in der Stadt, im folgenden ihre Vorstellungen zum Erhalt dieser für Kleve besonders bedeutenden Verbindung zwischen Unter- und Oberstadt:

Die „Koekkoekstege“, die diesen Namen während des Dritten Reiches erhielt, als die alte Bezeichnung „Juden-Stege“ von den Nationalsozialisten beseitigt wurde, bildete seit 1848 eine historische Verbindung zwischen Kleves Unter- und Oberstadt. Sie diente den Juden als Weg zu ihrem vor den Toren der Stadt gelegenen Friedhof. Es handelte sich, bis ca. 1980, um eine Gasse, die zur Kavarinerstraße (heute Koekkoek-Platz) hin eine enge Einmündung kannte, da hier im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts ein kleines Haus erbaut worden war. Teil des gerade veröffentlichten Bebauungsplanes ist es, diese Parzelle neu zu bebauen. Gegen eine Bebauung dieser Parzelle ist grundsätzlich nichts einzuwenden. So wird die historische Häuserzeile wieder hergestellt. Besonders wichtig dagegen ist die Schaffung einer selbständigen Fassade, in der alten Breite des abgerissenen Hauses.

Dies bedingt auch – und das ist aus Sicht unserer beiden Vereine dringend erforderlich –, dass die Fassade der ehemaligen Gaststätte „Zum Kurfürsten“ erhalten bleibt. Es handelt sich um eine schöne, historische Fassade aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts, die im Obergeschoss schöne, erhaltenswerte Schmuckelemente aufweist. Die Gliederung im Erdgeschoss ist modern und sollte – alten Photographien entsprechend – wiederhergestellt werden.

Bei einer solchen Bebauung würde, beginnend bei dem Haus an der Kavarinerstraße 31, über das B.C. Koekkoek-Haus bis hin zur Kavarinerstraße 43 eine historische Häuserzeile erhalten bleiben, die an der Nordseite des Koekkoek-Platzes eine Fassadenfläche entstehen lässt bzw. erhält, die große historischen Qualität besitzt und vermutlich die längste Häuserzeile bildet, die nicht im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Leider wurde diese Häuserzeile durch die aus unserer Sicht zu hohe Aufstockung des Gebäudes der Bäckerei Heicks & Teutenberg bereits gestört.

Das Volumen der zu bebauenden Parzelle am Koekkoek-Platz sollte nicht über die ursprünglichen Dimensionen hinausgehen, so dass der städteplanerisch wichtige Garten erhalten bleibt.

Die Koekkoekstege ist eine der wichtigsten und malerischsten Stellen des historischen Kleve. Entlang der Koekkoekstege stadtaufwärts bis zum Hanns-Lamers-Platz streckt sich das städtische Grundstück aus. Es begleitet, getrennt durch eine Mauer, die steile Koekkoekstege. Hier ist die besondere Topographie der Stadt deutlich spürbar. Von der Unterstadt aus betrachtet ist die Erhaltung des Grundstücks und der Stege die letzte Möglichkeit die besondere und einzigartige Qualität unserer Stadt spürbar bleiben zu lassen. An manchen Stellen ist diese in den letzten Jahrzehnten unkenntlich geworden: ein dramatisches Beispiel bildet die Bebauung des Grundstücks des Hotels Bollinger, das als „Panorama-Hotel“ eine große Beliebtheit kannte und wo die Hang-Situation jetzt völlig unkenntlich geworden ist.

Auch gegen eine maßvolle Bebauung des oberen Teiles des Grundstücks am Hanns-Lamers-Platz ist nichts einzuwenden, sofern es sich um ein maximal anderthalb-geschossiges Gebäudes redlichen Ausmaßes handelt.

Große Bedenken möchten wir gegen eine sich gegen den Hang stadtaufwärts ausbreitende Bebauung zwischen diesen beiden möglichen Bauten anmelden. Hierdurch würde nicht nur die einzigartige historische Qualität der Stadt Kleve an dieser besonders schönen Stelle stark beeinträchtigt werden, auch der historische Charakter der Koekkoekstege, d.h. der ehemaligen Juden-Stege vor den Toren der Stadt zum jüdischen Friedhof, würde nachhaltig zerstört. Ebenfalls würde die Idylle des Gartens des B.C. Koekkoek-Hauses und des benachbarten Belvederes verloren gehen. Der Baumbestand, teilweise mit Bäumen, die noch durch Barend Cornelis Koekkoek persönlich gepflanzt wurden, würde durch eine Bebauung des mittleren Teils dieses Grundstücks gefährdet, vermutlich sogar zerstört.

Im Interesse der Stadt Kleve bitten wir den Rat der Stadt Kleve äußerst sorgfältig mit den Bebauungsmöglichkeiten dieses Areals umzugehen. Wir bitten unerwünschte Entwicklungen bereits jetzt zu erkennen – und zu verhindern, dass eine das ganze Areal von unten bis oben beanspruchende Bebauung durch den gerade offen gelegten Bebauungsplan ermöglicht wird. Hierdurch würde der Stadt Kleve an einer sehr empfindlichen Stelle unnötiger Schaden zugefügt.

Alwine Strohmenger-Pickmann
Vorsitzende
Klevischer Verein für Kultur und Geschichte e.V.

Ulrike Sack
Vorsitzende
Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V.

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Ein Blick in die Koekkoekstege vom Koekkoekplatz aus, links das geöffnete Hauptportal des B.C. Koekkoek-Hauses
Blick auf die Gebäudezeile der Kavarinerstraße vom B.C. Koekkoek-Haus links außen aus
Ansicht des Kurfürsten-Gebäudes mit der Koekkoekstege links und dem angrenzenden Einrichtungshaus Rexing rechts, im Vordergrund der beliebte Wochenmarkt
Schöne, erhaltenswerte Details: Links Kurfürsten-Gebäude, rechts Einrichtungshaus Rexing
Eine historische Aufnahme, die das Gebäude des alten Kurfürsten mit der homogenen Häuserzeile nach Westen hin zeigt
Ansicht des historischen Platzes (heute Koekkoekplatz)

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Stellungnahme Bebauung Koekkoek-Stege, 01.10.2013 (PDF)
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